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Jeder Einkauf zählt

19.03.2025 um 08:50, Andreas Hamedinger
2 min read
Josef Strutz-Winkler, Sprecher des oberösterreichischen Lebensmittelhandels, sieht seine Branche mit zahlreichen Problemen konfrontiert.

Heiß umfehdet, wild umstritten, …“ Diese ­Textpassage aus der österreichischen Bundes­hymne gibt die Situation des ­heimischen Lebensmittelmarkts ­perfekt wieder, wie Josef Strutz-Winkler, Landesgremial­obmann des oberösterreichischen Lebensmittelhandels, erklärt: „Die vier Größten – Spar, Rewe, Hofer und Lidl – haben  einen Umsatzanteil von 96  Prozent. Diese Situation führt in ­vielen Bereichen zu einem Preiskampf, der dafür sorgt, dass man mit ­gewissen Produkten – ich denke da etwa an Bier – nichts mehr verdient. Um diesem Trend entgegenzuwirken, habe ich mich in meinen Betrieben beim Bier auf regionale Besonderheiten spezialisiert.“

Der heimische Lebensmittelhandel setzt bewusst auf Regionalität und Qualität.

Bio liegt weiter im Trend 
Auch die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise für Lebensmittel sorgen dafür, dass man als unabhängiger Kaufmann neue Wege gehen muss. „Der Anteil an Eigenmarken bei den ­großen Ketten in Österreich nimmt ständig zu. Wir setzen daher verstärkt auf Regionalität und Bio-Qualität“, erklärt Strutz-Winkler, der in Linz-Urfahr und Altenberg Supermärkte betreibt. Dass Konsumenten trotz wirtschaftlicher Turbulenzen weiter auf Bio-Lebensmittel setzen, bestätigt auch eine von der AMA-Marketing durchgeführte ­Agrarmarkt-Analyse. „Obwohl der Bio-Anteil der ­Umsätze mit ­Lebensmitteln im Supermarkt im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb, legten die Mengen an gekauften Bio-Lebensmitteln weiter zu und machen mittlerweile 13  Prozent aller Lebensmitteleinkäufe aus – ein Höchststand“, sagt Barbara Köcher-Schulz, Bio-Marketing-Managerin der AMA-Marketing, und erklärt: „Die aktuellen Zahlen bestätigen eindrucksvoll, dass Bio in Österreich längst kein Nischenprodukt mehr ist, sondern fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen.“

Josef Strutz-Winkler Lebensmittelkaufmann

Der Wert der Arbeit
Kaufleute, wie Strutz- Winkler, haben aber auch mit einem Problem zu kämpfen, das nicht branchenspezifisch ist. „Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Und das Problem wird in den nächsten Jahren noch größer werden. Schließlich geht die Babyboomer-Genera­tion bald in Pension“, erklärt der gebürtige Kärntner, der in diesem Zusammenhang zu einem ­Nachdenken ­anregen möchte: „Es müsste mehr über den Wert der Arbeit gesprochen und in der Diskussion um eine Work-Life-Balance wieder mehr auf das Work geachtet werden.“ Von einer möglichen Ausweitung der Öffnungszeiten hält Strutz-Winkler in diesem Zusammenhang nichts: „Das würde das Arbeits­image des ­Handels wohl noch weiter verschlechtern. Und wir sollten uns unbedingt etwa den gemein­samen arbeitsfreien Sonntag auch in der Zukunft erhalten.“ n

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