Jeder Einkauf zählt
Heiß umfehdet, wild umstritten, …“ Diese Textpassage aus der österreichischen Bundeshymne gibt die Situation des heimischen Lebensmittelmarkts perfekt wieder, wie Josef Strutz-Winkler, Landesgremialobmann des oberösterreichischen Lebensmittelhandels, erklärt: „Die vier Größten – Spar, Rewe, Hofer und Lidl – haben einen Umsatzanteil von 96 Prozent. Diese Situation führt in vielen Bereichen zu einem Preiskampf, der dafür sorgt, dass man mit gewissen Produkten – ich denke da etwa an Bier – nichts mehr verdient. Um diesem Trend entgegenzuwirken, habe ich mich in meinen Betrieben beim Bier auf regionale Besonderheiten spezialisiert.“

Bio liegt weiter im Trend
Auch die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise für Lebensmittel sorgen dafür, dass man als unabhängiger Kaufmann neue Wege gehen muss. „Der Anteil an Eigenmarken bei den großen Ketten in Österreich nimmt ständig zu. Wir setzen daher verstärkt auf Regionalität und Bio-Qualität“, erklärt Strutz-Winkler, der in Linz-Urfahr und Altenberg Supermärkte betreibt. Dass Konsumenten trotz wirtschaftlicher Turbulenzen weiter auf Bio-Lebensmittel setzen, bestätigt auch eine von der AMA-Marketing durchgeführte Agrarmarkt-Analyse. „Obwohl der Bio-Anteil der Umsätze mit Lebensmitteln im Supermarkt im Vergleich zum Vorjahr stabil blieb, legten die Mengen an gekauften Bio-Lebensmitteln weiter zu und machen mittlerweile 13 Prozent aller Lebensmitteleinkäufe aus – ein Höchststand“, sagt Barbara Köcher-Schulz, Bio-Marketing-Managerin der AMA-Marketing, und erklärt: „Die aktuellen Zahlen bestätigen eindrucksvoll, dass Bio in Österreich längst kein Nischenprodukt mehr ist, sondern fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen.“

Der Wert der Arbeit
Kaufleute, wie Strutz- Winkler, haben aber auch mit einem Problem zu kämpfen, das nicht branchenspezifisch ist. „Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Und das Problem wird in den nächsten Jahren noch größer werden. Schließlich geht die Babyboomer-Generation bald in Pension“, erklärt der gebürtige Kärntner, der in diesem Zusammenhang zu einem Nachdenken anregen möchte: „Es müsste mehr über den Wert der Arbeit gesprochen und in der Diskussion um eine Work-Life-Balance wieder mehr auf das Work geachtet werden.“ Von einer möglichen Ausweitung der Öffnungszeiten hält Strutz-Winkler in diesem Zusammenhang nichts: „Das würde das Arbeitsimage des Handels wohl noch weiter verschlechtern. Und wir sollten uns unbedingt etwa den gemeinsamen arbeitsfreien Sonntag auch in der Zukunft erhalten.“ n