Soziale Verantwortung
Inhalt
- 470 Millionen Stunden freiwillig
- Eine neue Chance
- Wirtschaftliche Kriterien
- Volkshilfe-Shops
- Unterstützung der Menschen
- Positive Auswirkungen
- Das Rote Kreuz in Oberösterreich
Gemeinnützige Organisationen leisten laut Satellitenkonto der Statistik Austria in Österreich rund 367 Millionen bezahlte Arbeitsstunden. 2021 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – gab es demnach 283.300 Beschäftigungsverhältnisse im gemeinnützigen Bereich. Das entspricht rund 5,9 Prozent der Gesamtbeschäftigung und 5,2 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden in Österreich. Die gemeinnützigen Organisationen erzielten damit eine Bruttowertschöpfung von 12,1 Milliarden Euro. Das sind 3,3 Prozent der Gesamtwertschöpfung in Österreich. 30 Prozent der Wertschöpfung (3,63 Milliarden Euro) aus dem gemeinnützigen Bereich entfallen auf Sozialorganisationen, 23 Prozent (2,78 Milliarden Euro) auf das Gesundheitswesen. Die restlichen 47 Prozent verteilen sich auf Erziehung und Unterricht, Kunst und Kultur, Sport und sonstige Dienstleistungen.
470 Millionen Stunden freiwillig
Zusätzlich werden in Österreich jährlich rund 470 Millionen Stunden ehrenamtlich geleistet. Rund 3,8 Millionen Menschen in Österreich haben sich 2021 in ihrer Freizeit freiwillig engagiert. Das Satellitenkonto bewertet den volkswirtschaftlichen Wert dieses freiwilligen Engagements mit 10,2 Milliarden Euro. Diese unbezahlten Aktivitäten würden die Gesamtwertschöpfung in Österreich um bis zu 2,8 Prozent erhöhen.

Eine neue Chance
Einen besonders interessanten und etwas anderen Ansatz, um Wirtschaft und soziales Engagement zu verbinden, hat „Die Perspektive Handel Caritas gGmbH“ gefunden. Die gemeinnützige GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, in Österreich Spar-Märkte zu betreiben und gleichzeitig die Integration von Menschen mit Vermittlungshemmnissen in den regulären Arbeitsmarkt zu fördern. „Unser Angebot richtet sich unter anderem an Personen mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen, an Menschen mit Migrationshintergrund, Wiedereinsteigerinnen, Langzeitarbeitslose oder neuerdings in Wels an Asylberechtigte“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Scheidl.
Wirtschaftliche Kriterien
Während ihrer Ausbildung erhalten die Kandidaten eine entsprechende Qualifizierung in den verschiedensten Bereichen des Handels. Scheidl: „Je nach Interesse und Eignung werden die Menschen zum Beispiel im Bereich Feinkost oder Kasse trainiert. Und nach Ende des befristeten Dienstverhältnisses bleiben sie bei Spar oder können zu anderen Handelsketten vermittelt werden.“ Je nach Spar-Filiale – in ganz Österreich gibt es elf von der GmbH betriebene – wird ein Teil der Ausbildung durch das AMS beziehungsweise durch die Bundesländer finanziert. Doch Scheidl ist in diesem Zusammenhang eines wichtig: „Unsere Märkte werden nach wirtschaftlichen Kriterien geführt. Das ist ganz entscheidend. Daher spreche ich lieber von ‚Sozialbetrieben‘ als von einem ‚Sozialprojekt‘.“
Volkshilfe-Shops
Eine andere Form von Geschäften betreibt die Volkshilfe (VH) Oberösterreich, wie Fred Edlinger, Bereichsleiter Shops bei der Volkshilfe OÖ, erklärt: „Bei den in unseren 23 Shops verkauften Textilien und Waren handelt es sich ausschließlich um gespendete Sachen. Wir sind Partner des landesweiten ‚ReVital-Netzwerks‘, einer Kooperation von Abfall- und Sozialwirtschaft, die Dingen aus dem Abfallstrom eine neue Chance gibt.“ Die Volkshilfe OÖ sammelt und verwertet so pro Jahr 2.600 Tonnen Bekleidung in ganz Oberösterreich.

Unterstützung der Menschen
Mit dieser Menge könnte man den gesamten Linzer Dom mit Kleidung anfüllen. Allein in Linz werden täglich zwischen vier und fünf Tonnen gespendeter Kleider und Schuhe eingesammelt. Neben der Wiederverwertung von Kleidung und Textilien geht es der Volkshilfe bei der Sammlung auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen. „Die VH OÖ hat insgesamt rund 1.600 Mitarbeiter, in den Shops finden rund 300 Menschen eine sinnvolle Beschäftigung“, sagt Edlinger und erklärt: „Die Erlöse, die die Volkshilfe Oberösterreich in ihren Shops lukriert, fließen zur Gänze zurück in Projekte zur Unterstützung von benachteiligten Menschen.“ Und auch die Waren, die nicht in den Shops verkauft werden, sind nicht verloren. Edlinger: „20 Prozent der gesammelten Textilien werden in unseren Shops und über das Online-Portal WIDADO weiterverkauft. Für die anderen 80 Prozent bestehen Abnahmeverträge mit Secondhand-Shops sowie zahlreichen kleinen Partnerunternehmen, die ausschließlich in Europa tätig sind.“
Positive Auswirkungen
Doch wie sieht es mit Menschen aus, die es aufgrund ihrer Beeinträchtigung sehr schwer haben, eine Arbeit zu finden? Hier bietet das Diakoniewerk ein Angebot, das von verschiedensten in Oberösterreich ansässigen Unternehmen bereits sehr gerne in Anspruch genommen wird, wie Karin Schaubmaier vom Projektmanagement des Diakoniewerks zum Thema „Arbeit und Inklusion“ erklärt: „Bei einer Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in Unternehmen sind eine positive Auswirkung auf die soziale Kompetenz der eigenen Mitarbeiter sowie die verbesserte Kommunikation untereinander nachweislich spürbar.“ Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen Mitarbeiter des Betriebs bei Tätigkeiten, für die oft im Betrieb zu wenig Zeit bleibt. Diese Arbeiten können unter anderem Regalbetreuung, Botendienste, Grünanlagen-Pflege oder Tätigkeiten im Versandbereich umfassen. „Für die Betriebe entsteht dadurch kein reguläres Dienstverhältnis, die Zusammenarbeit mit dem Diakoniewerk basiert auf einer Kooperationsvereinbarung. Ausmaß und Form der Tätigkeit sind individuell vereinbar“, sagt Schaubmaier, die erklärt: „Für die Tätigkeit im Betrieb erhalten die Menschen mit Behinderung eine Leistungsanerkennung, und einen geringen Abgeltungsbetrag für die Leistung übernimmt das Unternehmen.“

Das Rote Kreuz in Oberösterreich
In Oberösterreich ist das Rote Kreuz die größte humanitäre Hilfsorganisation, „insgesamt haben wir 26.000 Mitarbeiter, davon sind rund 24.000 Freiwillige. Von den 2.000 beruflichen sind 63 Prozent Frauen, die Teilzeitquote beträgt 56 Prozent“, berichtet Gottfried Hirz, der Präsident des OÖ. Roten Kreuzes. Um die vielfältigen Aufgaben des Roten Kreuzes zu bewältigen, sind für Personalkosten pro Jahr etwa 120 Millionen Euro notwendig. Doch das ist nicht der einzige volkswirtschaftliche Beitrag, den die Hilfsorganisation leistet. „Unser Bekenntnis ist es, sämtliche Einkäufe sowie Investitionen in Infrastruktur nach Möglichkeit in Oberösterreich zu tätigen“, erklärt Hirz.