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Der Wiener Bürgermeister spricht im offenen Armen in seinem Büro
Konkretisiert seine Pläne für Wien: Bürgermeister Michael Ludwig
Konkretisiert seine Pläne für Wien: Bürgermeister Michael Ludwig
Alex Felten

Michael Ludwig: „Wir bleiben weltoffen“

28.03.2025 um 08:57, Rudolf Grüner
3 min read
Michael Ludwig über Wiens Zukunft: Klimaschutz, Integration, 300.000 neue Einwohner bis 2050 – und warum er an ein stabiles Wahlergebnis glaubt.

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Ein neues Arbeitsmodell für mehr Integration, eine „grüne Zukunft” des Wirtschaftsstandortes und sein ganz persönliches Wahlziel: Wiens Bürgermeister hat fixe Vorstellungen, wie es mit der Stadt und ihren Menschen weitergehen soll.

Regeln für digitale Kommunikation

Der Polit-Populismus regt auf und verstört viele: Wie ist es um die Gesprächskultur im Rathaus bestellt?
Michael Ludwig: Die Polarisierung, befeuert durch die sozialen Medien, macht mir generell Sorge. Ich bemühe mich um ein gutes Klima – zu allen Parteien hin, aber auch im Austausch mit den Glaubensgemeinschaften. Im von mir gegründeten Religionsrat werden Standpunkte eingebracht und diskutiert. Das ist gut gelebte Debatte. In der digitalen Welt sind gesamtstaatliche Regularien dringend notwendig – ohne bürgerliche Rechte auszuhebeln.

Apropos: Beim Klimaschutzgesetz ist man in Vorleistung gegangen. Interessensvertreter sehen den Produktions-Standort gefährdet.
Michael Ludwig: Das will ich verneinen. Wir schaffen damit verlässliche Rahmenbedingungen und eine neue, nachhaltige Visitenkarte. Vor allem für grüne Industrien werden wir zu einem sicheren und attraktiven Standortpartner.

Milliarden-Investment in grüne Zukunft

Laut Prognose wird die Stadt im Jahr 2050 gut 300.000 Einwohner mehr haben: Wie klimafit wächst Wien weiter?
Michael Ludwig: Wir bauen ganz massiv die Infrastruktur aus, allein 100 Millionen Euro im Jahr wandern ins Kanalnetz. Gut investiertes Geld, wenn man an das glimpflich verlaufene Hochwasser im letzten September denkt. In den nächsten fünf Jahren werden etwa die Stadtwerke 8,8 Milliarden Euro ausgeben, davon wandern 8,1 Milliarden in klimaschutzrelevante Maßnahmen. Ein Riesenschub für eine nachhaltige Stadt, die Wiener Wirtschaft – und für den Arbeitsmarkt.

Wiens Bürgermeister im Gespräch mit weekend Magazin
Bürgermeister Michael Ludwig will die Aufgaben beim Thema Integration neu verteilen.

Asyl und Arbeit

Mit der Integration sind ebenso große Herausforderungen verbunden.
Michael Ludwig: Vom Spracherwerb bis zur sozialen Absicherung: Wir stemmen die extrem fordernden Hauptaufgaben. Besonders weil es der Bund bislang nicht geschafft hat, eine gerechte Verteilung herbeizuführen.

Ich trete dafür ein, Asylwerber über das AMS abzuwickeln – dafür braucht es dort mehr Budget und Personal.

Michael Ludwig über neue Wege bei der Integration

Ihr Alternativvorschlag?
Michael Ludwig: Ich bin prinzipiell dafür, dass möglichst alle, also auch Asylwerber und Asylberechtigte möglichst schnell in den Arbeitsmarkt kommen und – falls notwendig – über das AMS abgewickelt werden. Die Auszahlung von Leistungen ist meinen Vorstellungen nach an eine Residenzpflicht zu koppeln. Wer nach Österreich kommt und nicht arbeitswillig ist, hat dann mit den bereits bestehenden Sanktionen, die das Arbeitsmarktservice vorsieht, zu rechnen. Das wäre effizient, wichtig für den Jobmarkt und eine schnellere Integration. Und natürlich auch für die Gerechtigkeit auf Bundesebene.

Keine Abschottung

Wir stehen vor Weichenstellungen: Wie soll Wien in fünf Jahren dastehen?
Michael Ludwig: Sehr stabil und weiter bereit für ein Miteinander. Wir wollen ein weltoffenes Zentrum bleiben: nicht nur für den für uns so wichtigen Tourismus, sondern beispielsweise auch für internationale Friedenskonferenzen.

Michael Ludwig mit Rudolf Grüner beim Interview
Rudolf Grüner (stellvertretender Chefredakteur weekend Wien) im Talk mit Michael Ludwig

Wahl: Wunschergebnis

Ab welchem Wahlergebnis gehen Sie Ende April zufrieden in den Wahlabend?
Michael Ludwig: Wenn ich mir die Landtagswahlen der letzten Jahre in Österreich so anschaue, haben die Regierenden immer so zwischen dreieinhalb und zehn Prozentpunkte verloren. Also von daher habe ich einen starken Ehrgeiz, dass wir an das letzte Ergebnis der Gemeinderatswahl ziemlich rankommen. Was übrigens ein sehr gutes war.

„Politik ist kein Selbstzweck, sondern soll immer auch den Menschen dienen, die in unserer Stadt leben."

Michael Ludwig über die Basis künftiger politischer Partnerschaften in einer neuen Koalition

Ihr Wunschpartner?
Michael Ludwig: Mit Rot-Pink haben wir eine sehr gut funktionierende Koalition, jetzt kommt es auf die Wählerinnen und Wähler an, wie sie entscheiden.

Koalitionsgeflüster

Nach der Wahl am 27. April will Wiens Bürgermeister mit allen Parteien Sondierungsgespräche führen und in Verhandlungen treten – mit einer Ausnahme. „Ich habe schon beim letzten Mal die FPÖ ausgeschlossen und bleibe dabei“, so seine klare Ansage.  Grund seien die „diametralen Auffassungsunterschiede über das Menschen- und Gesellschaftsbild“.

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