Millionenverlust: Hauptsponsor droht ÖFB mit Ausstieg
Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) steht vor einem möglichen Sponsor-Aus: Die Raiffeisen Bankengruppe, seit 2003 Premium-Partner des Nationalteams, hat in einem Schreiben an das ÖFB-Präsidium, welches der Kronen Zeitung vorliegt, scharfe Kritik an der aktuellen Führung geübt und mit einem Rückzug gedroht.
Hintergrund sind die seit Monaten andauernden Streitigkeiten im Präsidium, die im Herbst 2024 zum Rücktritt von Präsident Klaus Mitterdorfer sowie zur – später aufgehobenen – Kündigung der beiden Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Thomas Hollerer geführt haben. Laut Raiffeisen hat dieser öffentlich ausgetragene Machtkampf nicht nur das Team und die Mitarbeiter belastet, sondern auch das Vertrauen der Geldgeber erschüttert.
Raiffeisen fordert externen Präsidenten
Der Krone liegt ein zweiseitiges Schreiben von ÖFB-Geldgeber Raiffeisen an die Präsidiumsmitglieder vor, in dem klare Forderungen gestellt werden. Petra Walter, Vorstandsvorsitzende der Zentralen Raiffeisenwerbung, fordert darin im Namen der gesamten Bankengruppe eine grundlegende Professionalisierung des ÖFB – einschließlich der Einsetzung eines externen Präsidenten.
Sollte dies nicht zeitnah umgesetzt werden, stellt Raiffeisen das weitere Sponsoring infrage.
Kritik an mangelnder Kommunikation
Besonders hart geht Raiffeisen mit der aktuellen Kommunikation des ÖFB ins Gericht. Im Schreiben heißt es wörtlich:
„Wir, die Raiffeisen-Bankengruppe, sind einer der stärksten und größten Fußball-Sponsoren des Landes (...) Trotz dieses starken Engagements gibt es seitens des ÖFB-Präsidiums seit der Kündigung des Geschäftsführers der ÖFB-Betriebsgesellschaft, Bernhard Neuhold, und des Generalsekretärs Thomas Hollerer sowie des Rücktritts von Präsident Klaus Mitterdorfer keine Kommunikation mit uns als einem der langjährigsten und größten Partner des ÖFB. Informationen zur aktuellen Lage müssen wir unerfreulicherweise den Medien entnehmen.“
Auch von der Rücknahme der Kündigung der beiden Geschäftsführer habe man erst aus den Medien erfahren:
„Wie es mit dem ÖFB weitergeht, welche Aufgaben oder Rollen die beiden Herren übernehmen werden und was das für uns als Partner und Sponsor heißt, bleibt weiterhin unklar.“
Raiffeisen kritisiert zudem, dass der Umgang mit Sponsoren in den letzten Monaten „weder partnerschaftlich noch professionell“ gewesen sei. In deutlichen Worten fordert die Bank:
„Wir fordern das Präsidium des ÖFB daher auf, hier schnellstmöglich Klarheit herzustellen und die Führung des ÖFB in professionelle Hände zu legen.“
Außerdem erwarte man einen professionellen öffentlichen Auftritt und eine Präsidiumsführung, die Management-Kompetenz besitzt und „ein klares Verständnis von der ehrenamtlichen Rolle des Präsidenten vermittelt.“
Mögliche Kandidaten genannt
Der ÖFB wird derzeit interimistisch von Wolfgang Bartosch, Präsident des steirischen Landesverbands, geleitet. Im Mai 2025 soll eine Hauptversammlung mit Neuwahlen stattfinden.
Raiffeisen spricht sich in dem Schreiben ausdrücklich für eine Führungspersönlichkeit aus, die keine internen Machtkämpfe führt, sondern den ÖFB national und international professionell repräsentiert. Dies sei auch notwendig, um die weitere Arbeit von Teamchef Ralf Rangnick sicherzustellen.
Konkret nennt der Hauptsponsor zwei Kandidaten mit dem „erforderlichen Profil“:
- Kurt Svoboda, Vorstand der UNIQA Versicherung
- Roland Schmid, Gründer von ImmoUnited
Zum Abschluss des Schreibens macht Raiffeisen klar, dass eine weitere Zusammenarbeit vom Ausgang der kommenden Wahl abhängt:
„Sollte diese Entscheidung zum wiederholten Mal im Sinne der internen Interessen einzelner Präsidiumsmitglieder fallen, behalten wir uns vor, die zukünftige Zusammenarbeit mit dem ÖFB stark in Frage zu stellen.“