Eierkrise: So ist die Lage in Österreich
Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe im Jahr 2022 kämpfen die Vereinigten Staaten mit massiven Engpässen bei der Eierproduktion. Mehr als 100 Millionen Legehennen mussten notgeschlachtet werden. Die Folgen: leere Regale, gestiegene Preise und sogar Eierdiebstähle. In manchen Regionen kostet ein Dutzend Eier mittlerweile sieben bis neun US-Dollar – das ist fast doppelt so viel wie noch im Februar 2024, wie Daten der US-Statistikbehörde zeigen. Selbst große Ketten wie Trader Joe’s oder Costco mussten den Verkauf pro Kunde begrenzen.
Die Lage ist so angespannt, dass die USA inzwischen europäische Länder – darunter auch Deutschland und Skandinavien – um zusätzliche Eierexporte bitten. Während die Amerikaner also versuchen, ihre Versorgungslücke zu schließen, sieht die Situation in Österreich deutlich stabiler aus. Auch hier kam es zuletzt zu vereinzelten Lieferschwierigkeiten, die Ursachen sind allerdings völlig anderer Natur.
Lage Österreich
In Österreich gibt es derzeit keine strukturelle Eierknappheit, wie Rosemarie Ferstl, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich betont. „Spätestens nach dem Osterwochenende – wenn die Nachfrage der Konsumenten nach Ostereiern sinkt und die Wintersaison in den Skigebieten zu Ende geht – sollte von einer knappen Eierversorgung nicht mehr die Rede sein”, so Ferstl.
Trotz punktueller Engpässe bei bestimmten Haltungsformen wie Biofreiland ist die generelle Versorgung gesichert. Vor allem an Wochenenden könne es in Ballungszentren zu temporär dünn bestückten Regalen kommen, insgesamt sei laut Kammer aber genügend Ware verfügbar.
Verbrauch steigt
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Eiern in Österreich ist in den letzten fünf Jahren um rund zwölf Eier gestiegen – von 236 auf 248 Stück. Parallel dazu ist auch die Bevölkerung auf 9,2 Millionen Menschen gewachsen. Die Inlandserzeugung liegt derzeit bei rund 2,35 Milliarden Eiern, der Selbstversorgungsgrad Österreichs bei stolzen 90 Prozent. Damit steht Österreich im EU-Vergleich gut da.
Kurz vor dem Osterfest klettert der Eierbedarf spürbar nach oben. Für heuer erwartet die Branche einen Verbrauch von rund 60 Millionen Ostereiern. Das entspricht etwa sechs bis sieben Stück pro Kopf. Besonders gefragt in der Vorosterzeit sind weißschalige Eier, die sich aufgrund ihrer Schalenbeschaffenheit besser färben lassen. Ihr Anteil liegt bei rund neun Prozent. Ein weiterer Grund für die erhöhte Nachfrage ist die Herstellung von Färbeware, also fertig gefärbten Ostereiern, die zusätzliche Produktionsmengen erfordert.
Tourismus-Effekt
Anders als in den USA spielt die Vogelgrippe aktuell in Österreich kaum eine Rolle. Die im Herbst verzeichneten Einzelfälle im Bezirk Amstetten haben die Versorgungslage laut Landwirtschaftskammer „nicht wesentlich beeinflusst“. Mittlerweile wurde die Stallpflicht in den betroffenen Regionen wieder aufgehoben. In Norddeutschland, Polen und Südungarn hingegen verschärfen schwere Ausbrüche die Lage am EU-Markt.
In Österreich hat ein anderer Faktor wesentlich größeren Einfluss auf den Markt: der Tourismus. Hotellerie und Gastronomie greifen bei Lieferschwierigkeiten im Großhandel vermehrt auf den Lebensmitteleinzelhandel zurück – was vor allem in der Hauptsaison zu zusätzlichem Bedarf führt. Ob als Omelette, Eierspeis oder hartgekocht: Gerade in Wintersportregionen sind Eiergerichte als Powerfood hochgeschätzt.
Produktion limitiert
„Die Legehennen schaffen höchstens ein Ei pro Tag, da gibt es keine Ausnahmen", erklärt Gerold Sterrer, Obmann der Geflügelwirtschaft Oberösterreich. Kurzfristige Produktionssteigerungen sind nahezu unmöglich. Der gesamte Prozess – vom Brutei bis zum marktfähigen Konsumei – dauert rund sieben bis acht Monate. Neue Stallungen würden sich zudem nicht von heute auf morgen errichten lassen. Die Vorlaufzeit beträgt zwei bis dreieinhalb Jahre. Auch die Investitionsbereitschaft war zuletzt aufgrund hoher Baukosten und fehlender Planungssicherheit eher gering.
Preisdebatte
Noch sind die Preise für Eier weitgehend stabil. Seit 2024 hat es kaum Anpassungen gegeben, betont Sterrer, Obmann Geflügelwirtschaft Oberösterreich, „obwohl das aufgrund von Kostensteigerungen in der Legehennenhaltung beim Futter, den Junghennen und allgemeinen Betriebsmitteln notwendig wäre”. Dass die Preise künftig angehoben werden, wünscht man sich auch in der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer. "Um auch künftig genug heimische Eier in den Märkten haben zu können, sollten die Erzeugerpreise um zwei Cent pro Ei steigen“, fordert Vizepräsidentin Ferstl.