Preise für Mietautos explodieren – was steckt dahinter?
Knappe 800,– Euro (Sixt) blättert man für einen Mietwagen auf Mallorca in der ersten Ferienwoche hin, das kleinste und billigste Modell wohlgemerkt. Ein Fiat 500 für zwei August-Wochen auf Sardinien kostet stolze 1.500,– Euro (Sunnycars). Im Vergleich zu vor der Pandemie sind die Kosten für Urlaubsautos heuer etwa doppelt so hoch. Woran liegt das und ist eine Entspannung in Sicht?
Zu wenige Fahrzeuge vorhanden
„Die horrenden Kosten haben nichts mit den Treibstoff-Preisen zu tun. Während der Pandemie wurden die Flotten der Anbieter ausgedünnt, nun kommen aufgrund von Lieferschwierigkeiten keine neuen Fahrzeuge nach. Die Preissteigerung resultiert aus Angebot und Nachfrage“, weiß Thomas Oppenheim, Leiter von „ÖAMTC Reisen“. „Vermieter stellen ein signifikant geringeres Angebot an Mietwagen zur Verfügung. Das treibt die Preisentwicklung automatisch“, so Sunny Cars-Geschäftsführer Kai Sannwald. In Portugal oder auf Mallorca schrumpfte zum Beispiel die Fahrzeugflotte der Vermieter im Schnitt um die Hälfte. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass die Reiselust im Sommer beinahe wieder mit der vor Beginn der Pandemie gleichziehen wird. Besonders schlecht schaut es bei preiswerten Kleinwagen aus. In Portugal stehen in diesem Segment rund 70 Prozent weniger Fahrzeuge zur Verfügung als erforderlich wären.
Gedrosselte Produktion bei Autoherstellern
Während die Produktion vorher nur durch einen coronabedingten Chip-Mangel ins Stocken geriet, kommt es nun durch den Russland-Ukraine-Krieg zu weiteren Lieferschwierigkeiten von Autobauteilen. „Manchen Fahrzeugherstellern fehlen beispielsweise akut Kabelbäume für die technische Ausstattung der Fahrzeuge. Daher haben sie keine andere Möglichkeit, als ihre Produktion herunterzufahren“, erläutert Sannwald. Die wenigen vorhandenen Teile werden in große Autos mit höherer Gewinnmarge eingebaut. Kleinwagen stehen hinten an und sind somit auch in den Urlaubsorten als Mietfahrzeuge Mangelware.
Spezielle Verträge für Autovermieter
Mietwagen-Anbieter verfügen in der Regel über kein dauerhaftes Kontingent an Fahrzeugen, in den vergangenen Jahren etablierte sich das Businessmodell „Sale-and-buy-back“. Das heißt: Zwischen Kfz-Herstellern und Vermietern werden zwei voneinander unabhängige Verträge abgeschlossen. Ähnlich wie beim Leasing bieten Automobilhersteller nur Fahrzeuge an, die der Käufer zu einem späteren Zeitpunkt an den Produzenten zurückverkaufen muss. Durch strenge Kriterien (kurze Maximalzulassung, niedriger Kilometerstand) können diese Fahrzeuge häufig nur kurzzeitig zur Autovermietung eingesetzt werden. Während der Corona-Krise gaben die Vermieter wie gewohnt ihre Autos an die Automobilhersteller zurück, bekommen nun jedoch keine neuen mehr. Viele Hersteller verkaufen ihre Neuwagen anderswo mit mehr Gewinn, da klassische Vermieter in der Regel viel Rabatt bekommen. Bieten sie ihre Autos doch noch an, sind diese für Leihwagenhändler sehr viel teurer als früher.
Keine Entspannung in Sicht
Und wann werden die Mietautos wieder billiger? Laut Experten in den nächsten Monaten vorerst nicht. Im Klartext bedeutet das: In den Pfingst- und Sommerferien wird mit steigenden Preisen gerechnet. „Leider ist auf dem Markt keine Entspannung in Sicht“, sagt Kai Sannwald. Sein Tipp: So früh wie möglich buchen, insbesondere an beliebten Reisezielen. „Sehen Sie sich auf keinen Fall erst vor Ort nach einem Wagen um. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie mit leeren Händen dastehen. Oder sehr, sehr tief in den Geldbeutel greifen müssen.“
Warum das Reisen 2022 generell teurer wird, erfahren Sie hier.