Direkt zum Inhalt
Schwarz-weiß-Foto von Marianne Faithfull und Mick Jagger 1969.
Marianne Faithfull mit Mick Jagger 1969.
Marianne Faithfull mit Mick Jagger 1969.
9999 AP / AP / picturedesk.com

Sixties-Ikone: Marianne Faithfull ist tot

31.01.2025 um 11:07, Simone Reitmeier
4 min read
Drücke "Play" zum Laden und Hören
  • Lädt Sprachdatei
  • Buffering...
  • In Kürze bereit zum Abspielen
Beim Erstellen der Sprachdatei ist ein Fehler passiert
0:00 /
Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull ist mit 78 Jahren verstorben. Ihr Leben war geprägt von Erfolg, Rock 'n' Roll, Drogen und Rückschlägen.

Ihre Jugend erlebte die 1946 im Londoner Stadtteil Hampstead geborene Faithfull mit der prägenden Musik großer Legenden. Es war die Zeit der Beatles, der Rolling Stones, von Bob Dylan und Woodstock. Sie waren es auch, die die damals 17-Jährige weltberühmt machten. Auf einer Party 1964 hat der damalige Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham ein Auge auf den Teenager geworfen und ihr Starpotenzial entdeckt. Was dann folgte, gleicht einer Hollywood-Geschichte: Sie hat die von Mick Jagger und Keith Richards geschriebene Ballade „As Tears Go By“ aufgenommen – ihr erster Hit. Es folgten „This Little Bird“, „Summer Nights“ und „Sister Morphine“, die allesamt den damaligen Zeitgeist reflektierten.

Marianne Faithfull auf der Bühne 2016.
Marianne Faithfull gilt als Ikone der 1960er-Jahre.

An Mick Jaggers Seite

In die Presse schaffte es die Britin aber nicht nur wegen ihrer Songs, sondern vor allem aufgrund ihrer Beziehung zu Stones-Frontmann Mick Jagger. Die mediale Aufmerksamkeit erreichte ihren Höhepunkt mit der berüchtigten Razzia im Redlands-Haus von Keith Richards im Februar 1967, bei der Faithfull anwesend war. Der Evening Standard titelte mit folgender Schlagzeile: „Nacktes Mädchen auf Stones-Party“. Marianne Faithfull schrieb später in ihrer Autobiografie: „Es hat mich kaputtgemacht.“

Mick Jagger und Marianne Faithfull in jungen Jahren.
Marianne Faithfull wurde an der Seite von Mick Jagger berühmt.

Rock ’n’ Roll-Lifestyle fordert Tribut

So schnell der Durchbruch gekommen ist, so schnell kam auch der Absturz. In den folgenden Jahren ist Faithfulls Leben zunehmend aus den Fugen geraten. Sie wurde abhängig von Kokain und nach der Trennung von Jagger (1969) von Heroin. Nach einer Überdosis Schlaftabletten lag sie mehrere Tage im Koma, das Sorgerecht für ihren Sohn Nicholas hat sie verloren. Sie wurde zum Junkie, saß im Gefängnis und lebte etwa zwei Jahre lang obdachlos auf den Straßen Londons. Über diese Phase sagte sie dem Guardian: „Ich wollte verschwinden. Ich wollte raus aus dieser Welt.“

Comeback auf Drogen

In den späten 70ern hat sich Marianne Faithfull offenbar etwas gefangen. 1979 ist ihr mit dem Album „Broken English“ ein Comeback gelungen. Ihre Stimme war nun rauer und tiefer, was zu ihrem Markenzeichen wurde. Drogenabhängig war sie nach wie vor, ihre Heroinsucht besiegte sie erst 1985. 1987 folgte das Album „Strange Weather“ mit dem Hit „The Ballad of Lucy Jordan“. Ihr letztes Album „She Walks in Beauty“ brachte die Britin 2021 heraus, nachdem sie schwer an Covid-19 erkrankt war. Schon damals drang aus ihrem Umfeld durch, dass es wohl ihr letztes sein würde, da sie wegen Lungenschäden nicht mehr singen könne.

Karriere auf der Leinwand

Obwohl Faithfull schon in den 60ern vereinzelt vor der Kamera stand, war sie erst in den 1990ern vermehrt auf der Theaterbühne und Leinwand zu sehen. 1994 spielte sie an der Seite von Sadie Frost, Jason Isaacs und Jude Law im Action-Drama „Shopping“. Als Haupt- und Charakterdarstellerin überzeugte sie 2007 in „Irina Palm“, einer Tragikomödie von Sam Garbarski. Insgesamt hatte die gebürtige Londonerin Rollen in 50 Film- und Fernsehproduktionen.

Gesundheitliche Rückschläge

Das Leben der Sixties-Ikone war auch von gesundheitlichen Problemen geprägt. 2006 erkrankte Faithfull an Brustkrebs, sie litt außerdem an Hepatitis C. 2014 hat sie sich ihre Hüfte gebrochen, von der Corona-Infektion im Jahr 2020 hat sich Faithfull eigenen Angaben zufolge nie richtig erholt. 2023 haben Stars ein Tribut-Album für sie aufgenommen, um sie bei den steigenden Gesundheitskosten zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt – sie war 76 Jahre alt – hat sie bereits in einem Pflegeheim gelebt.

Österreich-Wurzeln

Was viele nicht wissen: Ein Blick in Marianne Faithfulls Stammbaum offenbart Verbindungen nach Österreich. Ihre Mutter war Eva Hermine von Sacher-Masoch (1912–1994), eine Großnichte des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch (auf ihn geht der Begriff Masochismus zurück). Ihr Vater war Major Robert Glynn Faithfull (1912–1998), den ihre Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg kennengelernt hat.

Mick Jagger nimmt Abschied

Mit Marianne Faithfull hat eine Ikone der 60er Jahre die Bühne verlassen, und auch Mick Jagger scheint tief bewegt. Auf X schreibt der 81-Jährige: „Ich bin so traurig über den Tod von Marianne Faithfull. Sie war so lange Teil meines Lebens. Sie war eine wunderbare Freundin, eine wunderbare Sängerin und eine großartige Schauspielerin. Wir werden sie immer in Erinnerung behalten. "Auch Keith Richard nimmt Abschied: „Mein aufrichtiges Beileid an Mariannes Familie! Ich bin so traurig und werde sie vermissen!! Liebe Grüße, Keith“

more