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Montage: Armin Wolf, Roland Weissmann und Robert Kratky vor dem Sender des ORF.
Nicht nur Armin Wolf, Roland Weissmann und Robert Kratky zählen zu den Topverdienern im ORF. Die Liste umfasst 58 weitere Namen.
Nicht nur Armin Wolf, Roland Weissmann und Robert Kratky zählen zu den Topverdienern im ORF. Die Liste umfasst 58 weitere Namen.
weekend.at | Andreas Tischler/picturedesk.com (2), Hans Leitner/firstlook/picturedes.com, Starpix / picturedesk.com

ORF-Mega-Gehälter enthüllt: Wer wie viel verdient

31.03.2025 um 08:20, Stefanie Hermann
3 min read
Mehr als der Bundespräsident: Die Spitzengehälter am Küniglberg lassen aufhorchen – trotz Sparbedarfs. Das geht aus dem ORF-Transparenzbericht 2024 hervor.

Die neue Gagenliste des ORF sorgt erneut für Stirnrunzeln – und politischen Zündstoff. Während das Land unter Sparzwang steht und die Haushaltsabgabe eingefroren bleibt, fließt am Küniglberg weiter das große Geld. 2024 kassierten 74 ORF-Mitarbeiter jährlich über 170.000 Euro. Insgesamt geht es um mehr als 16 Millionen Euro, oder anders gesagt: Man braucht die Abgaben von rund 90.000 Gebührenzahlern, nur um diese Top-Gagen zu zahlen.

Der Transparenzbericht 2024, der gemäß ORF-Gesetzt jene Mitarbeiter listet, die mehr als 170.000 Euro Jahresgehalt beziehen, fördert zudem Überraschendes zutage. Die Küniglberg-Gehaltshierarchie verläuft nicht so, wie man denkt.

ORF III-Chefs holen auf

Gab es 2023 noch 62-Topverdiener, waren es 2024 bereits 74. Im Jahresvergleich haben sich die Kräfteverhältnisse auf der Gehaltsliste leicht verschoben. Während die ORF-Direktoren ohne Inflationsausgleich auskommen müssen und somit real Jahr für Jahr weniger verdienen, konnten sich andere an ihnen vorbeischieben. Dabei hat vor allem die Geschäftsführung von ORF III deutlich auf- und teilweise sogar überholt. Die beiden ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber und Kathrin Zierhut-Kunz reihen sich mittlerweile vor einem Großteil der Direktoren ein. Ihre Monatsgehälter stiegen jeweils um rund 16.000 bis 18.000 Euro, was ihnen Plätze unter den Top 6 sicherte.

Robert Kratky bleibt Spitzenverdiener, Generaldirektor nur auf Platz 3

Ganz oben thront erneut Robert Kratky, Radiostar und „Ö3-Wecker“-Legende: Mit 473.000 Euro Jahresgage kassiert die Radiostimme der Nation fast das Elffache eines Durchschnittsverdieners – und mehr als der Bundespräsident. Damit liegt der Salzburger deutlich vor dem Zweitplatzierten, Sicherheitschef Pius Strobl (452.000 Euro). Erst auf Platz drei findet sich ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (427.000 Euro). Die Direktoren Ingrid Thurnher, Stefanie Groiss-Horowitz und Harald Kräuter liegen mit rund 270.000 Euro gleichauf. Ihr Gehalt hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Armin Wolf, mit einem Bruttojahresgehalt von knapp 267.000 Euro immerhin der bestverdienende Journalist, reiht sich auf Rang 10 ein.

Nebenverdienste lassen staunen

Auch bei den Nebenverdiensten zeigt sich 2025 ein vertrautes Bild: An der Spitze steht erneut Ö3-Allrounder Andi Knoll, der mit monatlich 9.800 Euro zusätzlich zum Basisgehalt von rund 196.000 Euro wie im Vorjahr den Titel des „Zuverdienst-Kaisers“ für sich entscheidet. ZIB2-Anchor Armin Wolf liegt mit 7.463 Euro monatlich ebenfalls weiterhin hoch im Rennen. Er gibt ein leichtes Zuverdienstplus zu Protokoll. Auf dem dritten Platz findet sich etwas überraschend Auslandskorrespondent Christian Wehrschütz. Er lukriert rund 1.800 Euro pro Monat nebenbei.

Reiche Spitze, „schlanker” Rest

Auch wenn der Anteil klein erscheint: Der finanzielle Aufwand für die 74 Topverdiener ist beachtlich. 16 Millionen Euro entsprechen den Rundfunkgebühren von knapp 90.000 Haushalten – in Zeiten von Budgetkürzungen, eingefrorenen Abgaben und öffentlichen Debatten über ORF-Strukturen ein empfindlicher Reizpunkt. Während manche Gehälter konstant bleiben, fällt auf: Einzelne Führungskräfte legten beim Salär bis zu 61.000 Euro im Jahr zu.

Die veröffentlichten Gagen betreffen weniger als zwei Prozent der Belegschaft, betont man von Seiten des ORF. Tatsächlich liegt durchschnittliche Jahresgehalt in der Redaktion des ORF laut Vergleichsplattform kununu bei rund 47.500 Euro brutto. Als Fernseheditor geht man mit 54.400 Euro nach Hause, als Journalist mit fast 60.000 Euro Jahresgehalt.

Handshake"-Angebot & Sparkurs: ORF plant Aderlass

So oder so: Der ORF ist weiter zum Sparen angehalten. Weitere dreistellige Millionenbeträge müssen eingespart werden. Nicht nur die Gehälter der Direktoren wurde eingefroren. Anpassungen im Kollektivvertrag sind teilweise weit unter der Inflation erfolgt. Ein „Handshake”-Programm soll rund 350 Mitarbeitern, darunter viele Gutverdiener mit Altverträgen – teilweise noch aus den 70ern, 80ern und 90ern – den freiwilligen Ausstieg schmackhaft machen.

Offiziell verzichtet man auf das Wörtchen „golden“, inoffiziell ist klar: Durch vorzeitige Pensionierungen sollen die Kosten drastisch gesenkt werden. Neben der laufenden Personalkostenreduktion setzt man im Newsroom auf neue, günstigere Leitungskräfte. Laut ORF wurden allein 2024 bereits 20 Millionen Euro durch billigere Nachbesetzungen gespart.

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